Virtuose Streicherinnen – „La Finesse“

Eigentlich sollte man meinen, dass ein Streichquartett ein Klassik-Konzert darbietet. Nicht so „La Finesse“. Die vier Musikerinnen boten die ganze musikalische Bandbreite – von klassisch bis rockig. Und das mit viel Spaß, Begeisterung und auf hohem Niveau.


Foto: Vera Marzinski

Ihre Bühnenpräsenz ist phänomenal. Sie sind ein Ohren- und Augenschmaus und entführen in „ihr Amerika“. So heißt dann auch das Programm der Damen „…in Amerika“ und umfasst Stücke von Komponisten, die in Amerika lebten oder etwas mit diesem Land zu tun hatten. So Anton Dvorák, der als erfolgloser Bratschist startete und als Komponist großen Erfolg hatte – ab 1892 war er Professor in New York. Aus seinem „Amerikanischen Quartett“ präsentierte La Finesse das „Finale“. Edvard Griegs „Prelude From The Holberg Suite“ beeindruckte ebenso wie George Gershwins „Summertime“ – ein Stück, das in so einem Programm natürlich nicht fehlen durfte.

Auch um Leornard Bernstein und sein bekanntes Musical „West Side Story“ kamen sie natürlich nicht drum herum. Bei „I Want To Be In America“ zeigten sie die gemeinsame Komponente zum Bayerischen Zwiefachen auf. Der Zwiefache besteht aus einer Melodie mit Taktwechsel innerhalb der Phrase. Und ebenfalls aus dem Bernstein Musical das „Maria“ – sehr melancholisch und ergreifend. Monika Beck (Bratsche), Maria Voigt (1. Geige), Daniela Reimertz (2. Geige) und Dagmar Kochendörfer (Cello) fügten auf besondere Art und Weise klassische Musik mit dem Musikgeschmack unserer Zeit zusammen. Die vier Virtuosinnen verstehen es, die Geschichte großer Meister auf ihren Instrumenten neu zu erzählen. Alle musikalischen Interpretationen mit Elementen aus Rock, House, Electro wurden eigens von und für La Finesse arrangiert – und dadurch entsteht ein unverwechselbarer Sound. Seit 2008 gibt das Quartett facettenreich und modern dem kulturellen Erbe großer Komponisten wie Brahms, Rossini, Bach, Mozart und Beethoven einen neuen Kontext.

Im Burghaus Bielstein nahmen sie das Publikum nicht nur mit in den Wilden Westen – mit Stücken wie „Spiel mir das Lied vom Tod“ und „High Noon“ auf der Bonanza-Ranch der Familie Cartwright. Auf den Spuren von Leroy Andersons zauberhaften Filmmelodien wie „The Typewriter“ nahmen sie noch Hilfe der Gäste dazu – die Hotelglocke betätigte ein Freiwilliger aus dem Publikum. Und beim „Baby Elephant Walk“ von Henry Mancini fungierte das gesamte Publikum als Percussion-Einheit mit Rhythmus im Offbeat-Takt. In ihr Medley „Music On The Cat Walk“ packten sie ganz viel Klassik rein mit Unterstützung eines Band-Playbacks. Auch damit packten sie das Publikum, das nach dem Konzert ganz begeistert und berauscht nach Hause ging.

Vera Marzinski

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Karnevalistische Klänge im Burghaus

Es ist schon Tradition, der Sessionsstart mit den „Driem Beus“ im Burghaus Bielstein. Pünktlich zum 11.11. heißt es hier jedes Jahr „Et jeht widder los“. Stimmungsmusik „handjemacht in Oberberg“ von den vier Herren.


Foto: Vera Marzinski

Sänger Bernd Fuhrich ist natürlich prädestiniert als „echte kölsche Jung“ den Karnevalsbazillus zu verbreiten. „Dat Trömmeltje“ bearbeitete Bergneustadts Bürgermeister Wilfried „Holli“ Holberg, diesmal im bunt-gestreiftem Anzug und mit blondem Haar, unter dem goldenen Hut spielte dazu Michael Bielecke auf dem Piano und Wikinger Udo Lesemann rockte seine Gitarre.

Wie immer hatten die „Driem Beus“ reichlich karnevalistische Songs im Gepäck. Aber erst einmal verteilten Sie Blömcher an die Damen im proppenvollen Saal unter dem Burghaus Dach. Der größte Teil der Gäste kam verkleidet und schunkelte, tanzte und sang eifrig mit an diesem karnevalistischen Abend. Viele in rot-weiß – Kölle ist ja ganz nah. Aber auch Schotten mit Rock oder die älteren Herren von der Insel in karierter Hose. Gartenzwerge, Schneefrauen, aber auch Clowns oder Waldgestalten. Vor der Bühne rockten nicht die Blues Brothers sondern die Blues Sisters, im schwarzen Anzug mit Sonnenbrille. Passend zum Kasalla Lied „Pirate“ hatten sich auch Piratinnen unter das lustige Volk gemischt. Kulturkreisleiter Hans-Joachim Klein empfing die Gäste mit roter Pappnase und glitzernd roter Krawatte. Die Damen vom Bielsteiner Karnevalsverein trugen blau-weiß gemusterte Halstücher und hinter der Theke hatten sich die beiden fleißigen Mädels vom Burghaus-Team im Hippie-Look gekleidet.

Und dann hieß es wieder „Hück steiht de Welt still“ – das grandiose Lied von Cat Ballou – gemixt mit Bouranis „Ein hoch auf uns“, oder auch „Da simmer dabei, dat is prima“, das „Viva Colonia“ der Höhner. Von denen kam natürlich auch das Lied „Ich bin ene Räuber“. Mit viel guter Laune und Spaß zog die Karawane nicht weiter, sondern zu „Die Karawane zieht weiter“ zog eine lange Polonäse durch den Saal. Wieder einmal ein gelungener Karnevalsauftakt im Burghaus und sicher heißt es auch im nächsten Jahr am 11.11. hier wieder „Kum loss mer fiere“.

Vera Marzinski

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Eindrucksvoller Sinatra-Abend

Alexander Gelhausen und Philip Brämswig präsentierten am Donnerstagabend im Burghaus Bielstein „Intimate Sinatra“. Keine Big Band, sondern ein Duo, das ganz intim für das Publikum einen Ausschnitt aus dem Repertoire von Frank Sinatra auf ihre Weise darbot.


Foto: Vera Marzinski

„May way“ – dieses Stück spielen andere Bands meist am Ende eines Sinatra-Abends. Gelhausen-Brämswig setzten es schon weit vorher im zweiten Set ein. Es gehörte ebenso wie „New York, New York“ oder Fly Me To The Moon“ in das Repertoire, das bei einem Sinatra-Abend nicht fehlen darf. Aber die beiden Musiker machen aus allem so ein bisschen ihr eigenes Ding. Da kommt dann schon mal die Bemerkung „Aber in unserer Version – freut euch nicht zu früh!“ von Alexander Gelhausen. Doch gerade über diese Version kann sich der Zuhörer freuen. Sie ist immer irgendwo überraschend, brillant umgesetzt und doch nah am Original. 2015 wäre Frank Sinatra 100 Jahre alt geworden (12.12.1915 – 14.05.1998) – anlässlich dieses Jubiläumsjahres stellten der Jazzsänger Alexander Gelhausen und der Jazzgitarrist Philipp Brämswig ein komplettes Programm aus Sinatra-Klassikern zusammen. Die beiden kennen sich seit fünf Jahren und treten seit zwei Jahren als Duo auf.

Und so wie der „Ol‘ Blue Eyes“ oder auch wegen seiner charakteristischen Stimme „The Voice“ genannte Sinatra, plauderte Gelhausen mit dem Publikum. Sinatra trat oft mit einer großen Big Band auf, hatte aber seine Kernband. Ein Gitarrist gehörte dazu, den Sinatra 1945 kennenlernte und der ab 1956 zu Sinatras regulärem Orchester zählte: Al Viola. Ein Virtuose auf seinem Instrument. Auch Philip Brämswig ist ein grandioser Gitarrist. Er war Mitglied im Jugendjazzorchester Niedersachsen sowie später im BuJazzO unter Peter Herbolzheimer und spielte bei Konzerten von Charlie Mariano, der WDR Big Band, Bob Mintzer, John Goldsby oder auch Candy Dulfer. Alexander Gelhausen hat „die“ Stimme für die Sinatra Songs. Er ist in diversen Formationen zu hören – mit „Nightshift“ war er bereits im Burghaus Bielstein – und Dozent für Jazzgesang an der Hochschule für Musik Mainz für „Jazz-/Pop-Gesang“ und „Vokalimprovisation“ – dazu gehört auch das Scatten. Davon gab er beim Konzert im Burghaus mehrfach Kostproben. Dabei wird die Stimme gleichberechtigt neben de Instrument eingesetzt. Ein improvisiertes Singen von rhythmisch und melodisch aneinandergereihten Silbenfolgen ohne Wortbedeutung und ohne zusammenhängenden Sinn – mit den Silben und Wortfragmenten werden lautmalerisch instrumentale Phrasen nachgeahmt. Aber nicht nur damit überzeugte der Sänger. Und außerdem hatte er zu „Come Fly With Me“ das Gitarrenarrangement geschrieben – und eine ganz andere Stimmung als das Original erzeugt. Aber auch das Arrangement von Brämswig zu „The Lady Is A Tramp“ überzeugte sehr. Mit „Where Oh When“, Cole Porters „Night And Day“ oder „One For My Baby“ sowie „Strangers In The Night“ begeisterten Gelhausen/Brämswig das Publikum, dass sicher gerne noch mehr gehört hätte.

Vera Marzinski

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Sessionsstart des Karnevalsvereins Bielstein

In diesem Jahr startete der Karnevalsverein Bielstein extrem frühzeitig in die neue Session: Man wollte einfach schneller sein als „Trump“ und das gelang im Stile eines Karnevalsmoguls, in Stretch-Limo und mit „Hummer“-Musik.


Foto: Christian Melzer

Pünktlich um 11.11 Uhr eröffnete am 5. November 2016 der Präsident des KVB Michael Becher die Session 2016/2017. Und so, wie es halt eben immer bei den rheinischen Jecken Usus ist, verzogen sich die Regenwolken und es kam sogar zeitweise die Sonne heraus, die den Bielsteiner Burghof in einem wesentlich wärmeren Licht erscheinen ließ. Da an diesem Samstag mit dem KVB der erste große Oberbergische Karnevalsverein die Pauke schwang, fanden sich natürlich zahlreiche Abordnungen der anderen befreundeten Karnevalsvereine im Burghof ein.

Von der KG Närrische Oberberger präsentierte sich das kommende Dreigestirn um Prinz Michael II. (Wiebach), Jungfrau Axel (Kohlberg) sowie Bauer Uwe (Lamers), der es damit im Laufe seiner karnevalistischen Zugehörigkeit zum Engelskirchener KV auf alle drei Figuren gebracht hat (Prinz und Jungfrau war er bereits). Seitens des Ründerother Karnevalsvereins fanden sich das zweite Damen-Dreigestirn um Prinz Svenja (Bosch), Jungfrau Christiane (Cramer) sowie Bauer Renate (Bosch) ein. Auch hier hat Jungfrau Christiane bereits als Prinzessin Erfahrung als Tollität sammeln können. Die KG Rot-Weiß Denklingen fand sich mit dem Prinzen Ralf II. (Kolodziej) und seiner Prinzessin Jutta ein, wobei Jutta nicht nur seine Prinzessin ist, sondern auch als Ehefrau dem Prinzen stets treu zur Seite steht. Daneben waren zahlreiche weitere Abordnungen von der Torwache, den Froschköppen, der Tollen Elf Wildberg usw. anwesend. Alles startete natürlich nach den Begrüßungsworten durch den Präsidenten Becher mit dem scheidenden Prinzenpaar Martin und Pia Bischoff. Es wurden letzte Worte an die versammelten Jecken gerichtet und es wurde aus dem Lieder Repertoire der vergangenen Session noch einmal das karnevalistische Potpourri gesungen, bevor das scheidende Prinzenpaar mitsamt Schmölzchen dem kommenden Prinzenpaar die Schaubühne überließ.

Und der Auftritt des kommenden Prinzenpaares lässt erahnen, dass sie großes vorhaben: flankiert von blauen Luftballons tragenden „Groupies“ entstieg das Prinzenpaar mitsamt neuen Schmöllzchen einer Stretch-Limo, die es in sich hat. Normalerweise fährt man mit einer solchen „Hummer“-Limo den Strip in Las Vegas herunter zum Promenieren. Aber was gut ist für Nevada ist gut genug für Bielstein. Und so kam es dann zum ersten größeren Auftritt vom zukünftigen Prinzen Hellmuth I. aus dem Haus Mangesius und seiner Ehefrau Astridt, die ihm während der Session als Prinzessin zur Seite stehen wird. Dies ist nur gerecht, war doch sie es, die dem 1. Vorsitzenden des KVB Michael Röser das Versprechen gab, ihren Mann für die Rolle des Prinzen „weich zu kochen“, nun muss sie mit ihm durch dick und dünn gehen. Und dieser erste Auftritt der beiden kommenden Tollitäten war mehr als ermutigend. Hellmuth trotzte den technischen Schwierigkeiten, die das schadhafte Mikrofon ihm bereitete und redete schon recht sicher und gekonnt zu seiner künftigen Narrenschar. Ein rundum gelungener und freundlicher Auftritt der beiden Oberbantenberger, die sich dann gerne unter das Volk mischten und somit erste Kontaktaufnahme zu den vielzählig erschienen anderen Vertretern der befreundeten Karnevalsvereine suchten.

Erwähnenswert ist noch, dass der KVB eine ganz liebe ehemalige Präsidentin der Bielsteiner Damengarde zu Gast hatte. Martha Müller präsentierte dabei Michael Röser eine Bilderchronik aus den vergangenen 30 Jahren des KVB. Insbesondere kam sie auf die Zeiten zu sprechen, als im Jahre 1985/1986 in Oberbantenberger Hof das Damenregiment unter Regimentsmutter Karin Jewerowski und Martha Müller als Moderatorin der damaligen Damensitzung in einem überfüllten Festsaal durch das Programm führte.

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Schöner gescheitert im Burghaus

Susanne Pätzold, Axel Strohmeyer und Franco Melis scheitern gerne zusammen. Am Donnerstag- und Freitagabend im Burghaus Bielstein improvisierten sie rund um ihr Motto „Schöner Scheitern“ und bezogen das Publikum mit ein.


Foto: Vera Marzinski

Die mussten für die Enzyklopädie des Scheiterns für jeden Buchstaben ein Wort finden. Ganz am Schluss kam die Liste zum Einsatz. Die drei Comedians lieferten sich ein Battle, wer die meisten Wörter in seinem Text dazu nutzen – und dementsprechend aus der Liste streichen – konnte. Die Gäste hatten gemeinsam Freude an „Mit-Scheiterern“, denn geteiltes Leid ist halbes Leid!

Aktiv auf der Bühne dabei waren Gerhard und Nicole – sie mussten die erstarrten Susanne Pätzold und Franco Melis bei ihrem „ersten Date“ bewegen. Hörte sich einfach an, wurde aber – da sich die beiden Comedians tatsächlich nur mit Hilfe der beiden Gäste weiterbewegten, zu einer lachreichen Slapstick-Nummer. Aber das macht ja Improvisationstheater aus. Es wird eine oder mehrere Szenen gespielt, die zuvor nicht inszeniert sind. Meist lassen sich die Schauspieler ein Thema oder einen Vorschlag aus dem Publikum geben. Diese Vorschläge sind dann Auslöser und Leitfaden für die daraufhin spontan entstehenden Szenen. Und die brachten nicht nur das Publikum zum Lachen. Gleich zu Beginn wollten die drei wissen, was so besonders wäre an der Kleinstadt im Oberbergischen. „Wiehl – Mittelpunkt der Erde“ kam da und Franco Melis befand „die Erfindung der Bescheidenheit war hier in Wiehl“.

„Schatz wir müssen reden“ improvisierten Strohmeyer und Pätzold – eigentlich einfach, wenn da nicht immer der Gong von Melis dazwischen gekommen wäre. Bei jedem Gong musste von der normalen Sprache in eine Phantasie-Sprache und anders herum gewechselt werden und das manchmal gleich zwei Mal in einem Satz. Es kamen Chart-Flops auf die Bühne – mit Titelvorgaben vom Publikum – wie beispielsweise „Erbsenzählen und Hosengürtel“ als Balladentitel. In der Pause durften auf kleinen Zettel Vorschläge für die erste Impro im zweiten Teil abgegeben werden. Die nutzen die Drei für eine TV-Sendung auf der Burghaus-Bühne. Zum guten Schluss gab es „eine Dienstleistung die nach Hause kommt“ – am Donnerstag wurde es der Eismann. Es ist immer ein herrliches Vergnügen, den Dreien bei ihrem Programm zuzuschauen oder sich gar wiederzuerkennen. Zudem breiten Pätzold, Strohmeyer und Melis in schmerzhaft-schönen Songs Situationen aus, die man selber nicht erleben möchte und die doch jeder kennt. Seit 1995 stehen sie gemeinsam auf der Bühne. Axel Strohmeyer arbeitete lange mit dem Kölner „Theater Mobilé“ zusammen und ist seit 1993 als Improvisations-Schauspieler und Moderator tätig. Franco Melis arbeitete seit 1985 als Schauspieler, Regisseur und Autor in über 50 Produktionen an Bühnen in ganz Deutschland. Er erhielt für seine Arbeit zahlreiche Auszeichnungen, so u.a. den Autorenpreis des „NRW Festivals“ oder den ersten Preis beim „Festival Theaterzwang“ für die beste Aufführung. Susanne Pätzold ist neben zahlreichen Fernsehauftritten u.a. bekannt aus der preisgekrönten TV-Comedy „Switch“ / „Switch reloaded“ (Pro7). Zuletzt gewann Sie mit dem Ensemble den „Grimme-Preis 2013.“ Gemeinsam zeigten Pätzold-Strohmeyer-Melis gleich zwei Mal in Bielstein, wie man schöner Scheitern kann und entließen an beiden Abenden ein lachendes Publikum.

Vera Marzinski

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Eifelrock kam von „höngerm Bröddezong“

„Nempt mich möt“ oder „Mir senn von höngerm Bröddezong“ sangen „Wibbelstetz“ am Donnerstagabend im Burghaus Bielstein. Zwar so ziemlich alles in Eifeler Mundart, aber die Oberberger konnten sie gut verstehen.


Bandleader Günter Hochgürtel fand, dass die Eifel und das „Bergische“ doch ähnlich hügelig wären und auch hier sei man für die Kölner „hinterm Bretterzaun“. Zumindest ein Bandmitglied kennt auch die oberbergische Bucklige Welt – Gittarrist Michael Metzele wohnt in der Gemeinde Nümbrecht. Er ist seit 1997 bei „Wibbelstetz“. Eigentlich war es mal eine Ein-Mann-Band, bis sich zu Günter Hochgürtel der Akkordeonist Linus Krämer dazugesellte. Der hatte bis zu diesem Zeitpunkt im Eifelland-Blasorchester mitgewirkt. Das Mundart-Duo wurde im Kreis Euskirchen schnell bekannt. Heute spielen sie zu fünft. Neben Hochgürtel, Krämer und Metzele rocken Bassist Mario Derichs und Drummer Jürgen Schoerder bei „Wibbelstetz“ die Bühne.

Mit ungeheurer Spielfreude stehen die fünf Musiker auf der Bühne und musizieren im rheinischen Dialekt. Da gibt es keine Langeweile, denn die stilistische Vielfalt reicht vom Swing über die Ballade mit Tiefgang bis zum erdigen Blues und fetzigen Rock. Songschreiber Günter Hochgürtel hat sich zum Beispiel von den anhaltenden Missständen auf der Bahnlinie Köln-Trier („Dat kennt ihr doch hier auch sicher von Gummersbach nach Köln!?“) zu einem bissig-ironischen Lied inspirieren lassen. „Möt der Bahn“ heißt das eingängige Countryrock-Stück, das vielen Bahnkunden aus tiefster Seele sprechen dürfte. Mitsingen durfte das Publikum auch: mit dem Stück „Himbeermarmelad“ besingen die Wibbelstetzer ein Produkt der Eifler Region, dass – so Hochgürtel – bekannter sei, als das Eifeler Bier. Georg Danzers „Lass mi amoi no d’Sunn aufgehn sehn“ wurde bei „Wibbelstetz“ zum „Loss mich emol noch de Sonn opjohn“ – die Eifler Mundart klingt bei ihnen dann auch besser als das bayerische. Auch kurze Ansätze in Französisch oder Italienisch gingen gleich ins „Eiflerische“ über. Für die Qualität der Eifelband spricht überdies, dass zuerst die Bläck Fööss und seit einiger Zeit die Höhner zu den Förderern von Wibbelstetz gehören und da kam natürlich auch ein „Drink doch ene mit“ mit ins Programm. Sie covern Lieder, so auch „Ring of fire“ von Johnny Cash, und singen viele Eigenprodukte des Frontmannes. Er verarbeite so manches in seinen Liedtexten, erzählte er. Auch der Tod seiner Mutter mit über 80 Jahren besingen sie mit „Eenmal musst du john“ – eine schöne Ballade. Eine Hommage an „Dat ruede Ribbelche“ kam auch aufs Podium. Der Wiehler würde es als das „Röschen“ bezeichnen, das gute alte Mofa, mit dem früher die Jugendlichen die Straßen unsicher machten. In abgewetzter Lederjacke sang Bassist Mario Derichs von seinem alten, fahrbaren Untersatz. „Setz die Segel“ war keine Aufforderung zum gehen und bei „Mir john noch lang net hehm“ war klar, dass der Abend länger werden würde. Ein Abend mit vielen gesungenen und vom Bandleader erzählten Geschichten und gutem Eifel-Rock.

Vera Marzinski

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Reiten auf der Neuen Deutschen Welle

Als „Goldene Reiter“ galoppierte das Musikerquartett quer durch die Hits der 1980er Jahre. Oyo Steinke mit Gesang, Gitarre und Ukulele, Markus Grieß ebenfalls gesanglich sowie mit Gitarre und Akkordeon und die singende Rhythmusgruppe Bassist Axel Lausch und Drummer Peter Härtel.

Als vor über 35 Jahren die Genres Punk und New Wave aufkamen, entstand im deutschen Sprachraum das Genre Neue Deutsche Welle (NDW). Stücke wie „Hurra, hurra, die Schule brennt“ von Extrabreit aus 1982, Spliffs „Carbonara“ aus dem gleichen Jahr oder Heinz Rudolf Kunzes „Dein ist mein ganzes Herz“ aus 1985 gehörten dazu. Und die spielten die „Goldenen Reiter“ auch am Donnerstagabend im Burghaus Bielstein.

Mit „Der Goldene Reiter“ von Joachim Witt starteten sie die Reise durch die Neue Deutsche Welle und setzten damit auch schließlich den Schlusspunkt. Es wurde 1980 auf Witts ersten Soloalbum „Silberblick“ veröffentlicht, erschien im Mai 1981 als Single und platzierte sich fast 30 Wochen in den deutschen Charts. Weitere Chartshits gab es auch von Nena mit „Neunundneunzig Luftballons“ oder „Irgendwie, irgendwo, irgendwann“. Viele Musikstücke der NDW zeichnet der eher monotone Rhythmus und der deutsche Text aus. So hieß auch ein Titel von Ideal „Monotonie“. Der war natürlich auch im Programm der „Goldenen Reiter“. Nach 12 Jahren und unzähligen Auftritten bei Parties, Stadtfesten und Events zäumen „Die Goldenen Reiter“ die NDW einfach von hinten auf: Die Stromgitarren kommen in den Stall und die Pferde werden mit akustischen Gitarren, Ukulele, Akkordeon, Bass und Cajon im Gepäck neu gesattelt. „Die Goldenen Reiter“ wollen dasselbe wie ihr Publikum: Sie geben Gas und machen Spaß, stehen auf blaue Augen und Berlin, haben heute nur von Euch geträumt, drehen sich nicht nach dem Kommissar um und suchen als die Sonne grüßende Flieger den Sternenhimmel nach Major Tom ab. Und auch das Publikum ist immer voll dabei. Besonders bei „Völlig losgelöst“ bzw. „Major Tom“ von Peter Schilling war die Stimmung grandios.

Die „Goldenen Reiter“ bringen Musikgeschichte auf die Bühne. Alle Band-Mitglieder leben entweder von der Musik, oder haben sich ihr seit Jahrzehnten verschrieben. Alle vier Reiter sind und waren musikalisch seit vielen Jahren in den unterschiedlichsten Musikprojekten erfolgreich und wollen in jedem Fall Spaß und warteten mit 99 Luftballons am Leuchtturm auch in Bielstein auf das Publikum. Das ließ sich bereitwillig abholen und genoss einen musikalischen 1980er-Jahre-Partyabend.

Vera Marzinski

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Besonderes Trio spielt „Unter Freunden“

Die „Bundesauswahl Konzerte Junger Künstler“ beschert immer wieder junge Musiker, die für Ausnahmekonzerte sorgen. So auch das „Trio Stapf-Plath-Müller“ am Freitagabend im Burghaus Bielstein.


Foto: Vera Marzinski

Ihre Besetzung ist eher außergewöhnlich: Judith Stapf (Violine), Theo Plath (Fagott) und Fabian Müller (Klavier). Alle drei sind Preisträger diverser Wettbewerbe – und das hört und spürt man auch. „Unter Freunden“, so der Titel des Programms des Trios. Alle Komponisten kannten sich – wobei die Beziehung zwischen Liszt und Mendelssohn Bartholdy, wie Fabian Müller erläuterte, wohl eher etwas kompliziert war.

Gerade mal 19 Jahre alt ist Julia Stapf und spielt die Violine mit viel Ausdruck und hervorragender Interpretation der Stücke. Sie brilliert nicht nur bei ihrer „Sonate op. 82 e-moll“ von Edward Elgar. Dazu erzählt sie vorab die Geschichte zu diesem Stück, dass Elgar – der vor allem durch seine Pomp and Circumstance- Märsche bekannt ist – einer Freundin widmen wollte, die vier Tage nach der Anfrage verstarb. Es ist eine Violinsonate in drei Sätzen. Teilweise sehr geheimnisvoll im ersten Teil Der zweite Satz, Romance, beginnt dramatisch, wird ein wenig heiter und der letzte Satz endet einem scheinbar optimistischen Höhepunkt. Ebenso eher melancholisch-traurig beginnen die Variationen über ein Motiv von Bach „Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen“ für Klavier-Solo von Franz Liszt. Er komponierte es nach dem Tod seiner Tochter und übernahm das Bassmotiv von Bach aus Ausdruck für tiefen Schmerz. Das Stück enthalte die ganze Bandbreite des Schmerzes, erklärte Müller vorab. Und auch hier endet es mit einem positiven Ausblick. Liszt, dessen christlicher Glaube sehr stark war, zitiert am Schluss den Choral „Was Gott tut, das ist wohlgetan“.

Die beiden Herren des Trios sind ebenfalls brillant in ihrer Spielweise. In der „Sonate für Fagott und Klavier op. 168“ von Camille Saint-Saëns sind die wunderbaren tiefen Fagott-Töne besonders gut zu hören. Das Fagott von Theo Plath beeindruckt schon von der Optik her. Seinen Namen verdankt das Bassinstrument seinen vielen Einzelteilen, den verschiedenen „Röhren“ (ital.: „fagotto“, „Bündel“). Wie bei der Oboe entsteht der Ton auch beim Fagott durch ein Doppelrohrblatt. Das Stück von Camille Saint-Saëns ist das Kernstück der Fagott-Literatur und ist das zweitletzte Werk des Komponisten. Mit Stücken von Charles Lefèbvre bis Mendelssohn-Bartholdy in eigener Bearbeitung konzertieren die drei Ausnahmemusiker am Freitagabend im Burghaus und bescherten den Gästen mit ihrer „Unter Freunden“-Auswahl einen ganz besonderen Abend.

Vera Marzinski

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Bayerische Leichtigkeit mit den String of Pearls

„Entertainment a´la Rat Pack“, aber mit vier Damen – den Sängerinnen Julia v. Miller, Ricarda Kinnen und Ruth Kirchner und Pianistin Beatrice Kahl – bot der Kulturkreis den Gästen im Burghaus mit String of Pearls.


Foto: Vera Marzinski

„Wir legen großen Wert auf handgemachte Musik, dazu gehört auch „String of Pearls“, betonte Kulturkreis-Geschäftsführer Hans-Joachim Klein. Nicht selbstgemacht, aber in eigener Variation selbst gesungen, sind die Stücke der bayerischen Damen, mit der Besonderheit: „Wir verwenden ausschließlich erneuerbare Melodien und sind somit ein einer Biobetrieb“, betonte Julia von Miller. Sie reisten sogar mit der Bahn an – und das aus Bayern ohne Verspätung.

Nach der ausführlichen Vorstellung swingten die Ladies dann wieder los. Schon rein optisch zeigten sie sich als glänzende Perlen mit ihren Samtkleidern und später im silber-schwarzen Outfit. Und um das Glamouröse zu unterstützen ließen sie sich für jede ein Glas Sekt bringen. Die Gäste vergaßen sie dabei nicht und verteilten zwei Schachteln mit süßen „Geistvollem“ – wobei erst mal die Damen zugreifen sollten. „Einfach rumreichen, wie in der Kirche den Korb – aber hier können Sie sich etwas rausnehmen“, war der verschmitzte Kommentar der String of Pearls dazu. Seit 15 Jahren stehen sie zusammen auf der Bühne und präsentierten in Bielstein ihr mittlerweile fünftes Programm „Sophisticated Lady“. Das Ganze mit eleganter Leichtigkeit und einer unwiderstehliche Atmosphäre voller Inspiration, die von der Bühne herab den ganzen Raum durchflutete. Fast immer dreistimmig singen sie – ab und zu auch vierstimmig, denn die Pianistin Beatrice Kahl fungierte nicht nur als Ein-Frau-Band des Gesangstrios.

Ihr Programm ist gespickt mit weltberühmten Oldies von „Big Spender“ über „Bei mir bist du schön“ bis zu „Cucurucucu Paloma“ und „La Vie en rose“ – ständig auf dem schmalen Grat zwischen Parodie und einer großen Glamourshow nach amerikanischem Vorbild. Eben schwelgen sie noch in Erinnerung an Kinoklassiker und weltbekannten alten Songs, lassen ein brillant klingendes „Heaven I’m in heaven“ hören, da unterhalten sich die drei Münchner Ladies plötzlich auch schon über Marillenknödel. Für die Männer, insbesondere die Ehemänner, hatte sie ein spezielles Motto „Happy wife – happy life“ und sangen „ihre“ Version von Pharrell Williams „Happy“. Über fast alle wichtigen Dinge des Lebens sprachen und sangen sie. Facebook und Google blieben nicht außen vor. Sehr interessant die Übersetzung von „Cheek to cheek“ was das Übersetzungs-Programm wohl in „Backe an Backe“ übertrug.

Musik sei eine Universalsprache, denn mit Musik könne man über Dinge sprechen, die unsagbar sind, betonten sie. Allerdings würden ganz wenige Lieder von Bilanzen und Jahresabschlüssen handeln, stellten die Sängerinnen fest. Ein paar gebe es aber wohl doch, so wie das „Bruttosozialprodukt“ von Geier Sturzflug und das, was die String of Pearls mitbrachten. Ein Stück von Johnny Mercer, der viele bekannte Titel komponierte, wie „Moon river“ oder das von den Damen vorgetragene „If I had a million dollar“. Das sollte wohl eigentlich ein Liebeslied sein, aber – so Ruth Kirchner – lieber wäre ihnen ein „Ich habe eine Millionen und gebe sie Dir“. Sie hat auch die Liebeslieder der Länder erforscht, verriet sie, und musste feststellen, dass die Spanier da doch die Königsklasse der Liebeslieder darbieten – sie singen fast immer von der Zukunft. Ein musikalisches Häppchen davon gab es ebenso wie am Schluss Original bayerisches Liedgut. String of Pearl glänzte mit einem anspruchsvollen und heiteren Programm und wollten ihre Gäste am Ende gar nicht mehr gehen lassen. Die wurden an diesem Burghaus-Abend mit Zweierlei beschenkt: mit richtig guter Musik und jede Menge Spaß.

Vera Marzinski

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